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Best of Wachau

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Historische Überlieferungen

  • Die Geschichte der Burg Oberranna
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  • Die Geschichte der Burg Oberranna

Ranna liegt an der Grenze der Wachau und des Waldviertels, ihre Besonderheit liegt in der Verbindung Wehrkirche mit Burg.

Zur Zeit ihrer Erbauung stand die Wehrkirche schützend vor der viel kleineren Burg und übernahm damit völlig die Verteidigungsfunktion.

Ranna war ursprünglich dazu gedacht den Griesteig (die Verbindung von Hinterhaus bis Fohraberg) zu überwachen. Durch Erweiterung der Befestigungsanlagen in unruhigen Zeiten gelang es nie, die Burg zu erobern. 

Kunst & Geschichte

Die Freskenmalerei über diesem Renaissancetor (Eingang) bestand früher nicht nur aus diesem isolierten Fleck, sondern diese Architekturmalerei erstreckte sich über die gesamte Fassade.

Man vermutete dass in den Fresken oberhalb des Eingangs die drei damals wichtigsten Schlossbewohner abgebildet sind. Nämlich Georg von Neidegg, seine Frau Siguna, geb. von Kirchberg, und Georgs Bruder Roland von Neidegg, Vogt über das Paulinerkloster am Fuße des Burgberges. Der ganze Hof dürfte mit demselben Dekorationssystem ausgemalt gewesen sein.

Überlieferungen

Es ist sehr wenig, was man von der Burg Ranna oder Oberranna weiß. Schon ihre Entstehung liegt völlig im Dunkeln. Sie muss aber schon vor 1070 bestanden haben, denn in diesem Jahr kauften die Herren von Grie die Burg und das Gebiet von Ranna, von wem weiß man nicht. Die neuen Herren nannten sich auch "von Ranna oder Rannah" und führten in ihrem Wappen einen goldenen Greif auf schwarzem Feld. Sie waren im Gefolge der mächtigen Grafen von Formbach aus dem Rotgau in Bayern gekommen. Ihr erster namentlich bekannter Vertreter ist Pilgrim von Grie-Rauhnah Nachfolger Waldo von Reun setzte während einer schweren Krankheit testamenta-risch fest, das seine Güter nach seinem Tode dem Landesfürsten Marktgraf Leopold III, dem Heiligen, zufallen sollten. Wider Erwarten wurde er aber bald wieder gesund und änderte nach seiner Heirat das Testament zugunsten seiner Frau und seiner Tochter. Leopold III berief nun eine Gerichtsverhandlung in seiner Residenz, der Burg Gars ein, und der Streit ging zu seinem Vorteil aus. Nach Waldos Tod übergab Leopold seiner Schwester Gerbirg einen Teil seiner Güter, worauf diese ihren Wohnsitz im Jahre 1120 nach Ranna und Purk verlegte. Neben der Burg Ranna ließ sie eine freistehende romanische Wehrkirche errichten.

1120 fand auf Burg Gars wieder eine Gerichtsversammlung statt, bei der Pilgrim II, der Sohn von Pilgrim I, einen Teil des Besitzes zurückbekam. Anschließend klafft eine Lücke von über 100 Jahren.

Urkundlich bestätigt ist die Heirat von Agnes von Ranna mit Ulrich von Neidegg im Jahre 1370. Die Verbindung der beiden Adelsfamilien brachte auch ein neues Wappen: links oben und rechts unten der goldene Greif auf schwarzem Grund (das Wappen der Ranna-Grie) und rechts oben und links unten drei rote Jakobsmuscheln auf silbernem Grund (das Wappen der Neidegger). Mit dem Antritt seines Erbes setzte ihr Sohn, Hans von Neidegg im Jahre 1397 den Anfangspunkt für die Herrschaft der Neidegger auf Ranna die bis ins 16 Jht. andauerte. Im Jahre 1560 ließ Georg von Neidegg die Burg zu ihrer heutigen Form und Größe ausbauen. Die Neidegger bekleideten vielfach hohe Ämter. Der letzte namentlich erwähnte Neidegger ist Jonas 1617. Die Eigentümer wechselten in der Folgezeit rasch. Ende des 18. Jhdts kam Oberranna in den Besitz des österr. Kaiserhauses. 1901 erwarb Stift Göttweig bedeutende Anteile des Grundbesitzes, während Baron Hammerstein 1905 das Schloss kaufte. Seine Frau, die Schauspielerin Anny Diekens, verarmte nach dessen Tod und musste Stück um Stück der Einrichtungsgegenstände verkaufen. Zuletzt versetzte sie sogar den Altar der Burgkirche im Wiener Dorotheum. Schließlich wurde die Burg zur Versteigerung ausgeschrieben. 1930 erwarb sie Laurent Deleglise. Er löste den Altar aus und begann mit umfangreichen Renovierungsarbeiten, in deren Zug die Krypta entdeckt wurde. Er erwarb sich große Verdienste um Mühldorf, da er in den schlechten Zeiten der 30er Jahre vielen Menschen Arbeit bot. Er wurde auf dem Friedhof von Niederanna bestattet und einer seiner letzten Wünsche war, mit Blick auf die Burg begraben zu werden. Seine Witwe lebte bis ins Jahr 1981 völlig alleine auf der Burg. Seit 1982 befindet sich die Burg im Privatbesitz und wurde in liebevoller Arbeit mit hohem handwerklichem Können und mit Beratung des Bundesdenkmalamtes restauriert.

Vorhalle:

Dieser Raum wurde erst unter Georg von Neidegg im Jahre 1560 dazugebaut. Vor dieser Zeit befand sich das Eingangstor hier. Diese Freskenmalereien sind das typische Produkt einer schlechten Restaurierung in den 50er Jahren. "Schlecht" im heutigen Sinne daher, weil man die ursprüngliche Malerei so gründlich gereinigt hat, dass sie fast gänzlich zerstört wurde und man sie dann ohne Rücksicht auf Feinheiten und Details übermalte. Den Zeitpunkt der Restaurierung kennt man so genau, da bei den Renovierungsarbeiten unter den Malereien Elektroleitungen zutage getreten sind.

Burghof:

Dieser Trakt wurde ebenfalls unter Georg von Neidegg (1560) erbaut, der Teil ab der Baufuge wurde in späterer Zeit, man weiß nicht genau wann, errichtet. Der Burgfriedhof südlich der Kirche diente bis zu der Ordensgründung des Paulinerklosters von Hans v. Neidegg als Begräbnisstätte der Burgherren. Andere Tote wurden in der Krypta bestatte oder nach St. Michael a. d. Donau gebracht. Von nun an wurden die Neidegger Famlilienmitglieder in der Klosterkirche bestattet.

Kirche:

Die Kirche steht am strategisch besten Platz, am höchsten Punkt des Ortes. Ihre Achse verläuft parallel zur Bergachse und ist daher nicht genau Ost-West ausgerichtet, sondern etwas NO-SW gedreht. Dieses imposante Bauwerk, das ursprünglich mit 2 Türmen ausgestattet war ist eine verkleinerte Kopie dänischer Dome. Dieser Stil wurde von den Schattenmönchen aus der Normandie über Regensburg nach Österreich gebracht. Die von der Kirche getrennte Burg war im Mittelalter durch einen Holzgang, den man im Ernstfall einziehen konnte, in der Nähe des 1. Stocks verbunden. Sonst war sie mit der Burg nur durch gemeinsame Wehrmauern verbunden

Innen:

Da Kapellen romanischer Burgen im Verhältnis zum übrigen Burgbau meist äußerst bescheiden waren und wir es hier doch mit einer relativ großen Kirche zu tun haben, war die Burgkirche zu Ranna wohl eine Pfarrkirche. Obwohl erst im Jahre 1360 Georg du Clauban als Pfarrer von Oberranna genannt wird, dürfte die Kirche schon seit jeher pfarrliche Rechte besessen haben, die im Jahre 1424 auf das Paulinerkloster übertragen wurden. Gehörten Kapellen zum selbstverständlichen Zubehör einer größeren Burg, so sind Pfarrkirchen, die mit einer Burg eine wehrtechnische Einheit bilden, eher selten. Diese einschiffige romanische Kirche besitzt zwei Vierungstürme und eine Westkrypta, ähnlich der Kirche von St.Emeran in Regensburg und stellt einen seltenen Bautypus dar. Bei der Restaurierung der Kirche durch den Vorbesitzer Herrn Laurent Deleglise war der Innenraum der Kirche durch vier Mauern geteilt. Die Kirche hat so 13 Räumen Platz gegeben, was natürlich nicht ohne Umänderungen und Zerstörung von vorhandenem möglich war. Der Westteil der Kirche war vollständig in die Burg verbaut und der untere Teil des Westquerschiffes zugeschüttet. Der Hauptaltar wurde im Jahre 1905 von der Witwe Baron Hammersteins im Wiener Dorotheum versetzt und erst durch Laurent Deleglise wieder ausgelöst.

Als 1650 Johann von Greifenfels auf Viehofen die Herrschaft Oberranna kaufte, ließ er in der Kirche neben der Sakristei einen Altar errichten, über dem noch eine Innschrift auf ihn und seine Gattin hinweist. Der Seitenaltar ist in ungarischem Bauernbarock bemalt. Die Fresken an der Decke zeigen in der Mitte das Opferlamm und rundherum sind die Symbole der vier Evangelisten abgebildet. Von der Kirche gelangt man durch einen rundbogigen Eingang in die Krypta. Diese Westkrypta ist ein fast quadratischer, 5m langer und 4,8 m breiter Raum. Er wird durch 4 Säulen in neun rundbogige Kreuzjoche geteilt, die zwischen Längs- und Quergurten eingespannt sind. Ein schmaler nach innen sich verbreitender Mauerschlitz an der Südseite der Krypta diente, als das Westwerk noch freistand, als Auslug oder als Schießluke für Bogenschützen, denn an dieser Stelle der Krypta führte einst der alte Zugang zur Burg vorbei und der hier vorüber kommende Feind musst seine Rechte, vom Schild unbedeckte Brustseite dem Verteidiger zukehren. Auch das romanische Fenster diente im Verein mit dem Westturm der Verteidigung. Die Zerlegung des Raumes in kleine, fast immer quadratische Joche gehört zur Charakteristik der Hallenkrypta. Das figürliche Kapitell der Kryptasäulen krönt die Südwestsäule, die dem alten Eingang am nächsten lag – der Eintretende sollte dieses Kapitell zuerst bemerken.

Auf einer Kapitellseite finden wir eine Tierdarstellung, die als Lamm oder Hund gedeutet wird. Gegen die Darstellung eines Lammes spricht der lange, fast bis zum Boden reichende Schwanz. Der Hund, den guten Kampf unterstützend, kommt auch sonst bei symbolischen Jagdszenen vor.

Die folgende Darstellung wird als Esel angesehen, der aber im Waldviertel selten ist. In einer ähnlichen Darstellung am Nordportal der romanischen Kirche in Gögging wird das gehörnte Tier, das geschlagen wird, als der Sündenbock, der zum Versöhnungsopfer der Juden mit Schlägen in die Wüste getrieben wird, interpretiert - welcher Vorgang im Mittelalter für ein Vorbild des Kreuzestodes und der Höllenfahrt Christi angesehen wurde. Dann wären die Ohren unseres Tieres als Hörner des Sündenbocks zu deuten. An der Westseite des Kapitells erscheint ein männlicher Kopf mit nur wenig sichtbarem Oberkörper. Er stößt in ein Horn, was auf eine Jagdszene schließen lässt, obwohl man auch auf das Posaunenblasen von Jericho, das als Vorbild für das jüngste Gericht gilt, denken mag. Jagddarstellungen versinnbildlichen in der Romantik sehr häufig den Kampf des Guten mit dem Bösen.

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